Wer waren eigentlich die Frauen im Bauernkrieg?
Der Bauernkrieg in Thüringen wurde auch von Frauen geprägt
Wird über den Bauernkrieg im 16. Jahrhundert gesprochen, geht es vor allem um männliche Akteure- dabei waren auch Frauen an den Aufständen beteiligt und führten einige sogar an.
Problem dabei- in vielen Quellen werden Frauen vor allem als Verhandlungspartei für inhaftierte Ehemänner oder Väter registriert und ihre Beteiligung in den Aufständen heruntergespielt.
Was ihnen zu ihrer Zeit häufig das Leben rettete- führte später zu ihrem Vergessen in Blick auf den Bauernkrieg.
Mühlhausen 1525:
Eine Gruppe Frauen jagt den Pfarrer von St. Kilian bis zur Kirche St. Blasii und plündern das Pfarrhaus. Die Wut der Frauen ist vor allem gegen den Klerus in Mühlhausen & dessen Reichtum gerichtet.
Ihre Ziele: Theologische und städtische Reformen, gerechtere Verteilung von Reichtum und mehr Mitspracherecht.
Angeführt werden Sie u.a. von Katharina Kreutter (auch Kreutterin genannt).
Viel ist über Katharina Kreutter nicht bekannt: sie war Gerbersfrau, stammte aus dem Bürgertum und war zum Zeitpunkt der ersten Aufstände Mitte 50 Jahre alt. Anders als viele andere Frauen konnte sie lesen und schreiben- und setzte sich mit den theologischen Theorien ihrer Zeit auseinander. Vor anderen Mühlhäuserinnen hält sie Reden und motiviert damit auch andere Frauen, ihre Lage zu hinterfragen. Bald gilt die Kreutterin beim Klerus und Stadtrat als laut & aufmüpfig-ein Problem. Nach den Niederlagen der Bauern und Bäuerinnen in Bad Frankenhause wird auch Katharina Kreutter im Sommer 1525 verhaftet. Unter Folter soll sie dabei gestanden haben, als Frau in der Kirche die Glocke geläutet und sogar eine Messe gehalten zu haben- bisher undenkbar und verpönt. Ob sie tatsächlich als Frau die Messe hielt oder ihr dies in ihrem Geständnis unterstellt wurde, ist allerdings unklar.
Zur Strafe wird die Katharina Kreutter öffentlich gedemütigt, ausgepeitscht und gebrandmarkt. Sie wird der Stadt verwiesen- danach verliert sich ihre Spur.
Neben Katharina Kreutter haben sich auch andere Frauen an den Aufständen 1525 und 1526 beteiligt- sie hielten Reden, protestierten, plünderten und beteiligten sich an den Kämpfen. Vor allem in Bad Frankenhausen und Mühlhausen sind einige Geschichten über aufständische Bäuerinnen und Bürgerinnen überliefert. Aber anders als die männlichen Aufständischen wurden sie selten verhaftet- sie fungierten sogar oft im Anschluss als Bittstellerinnen für Familienangehörige. Sie kämpften also nicht nur in den Aufständen - sondern im Nachhinein auch für die Freilassung ihrer Angehörigen.
Zum Weiterlesen:
Lyndal Roper: Für die Freiheit. Der Bauernkrieg 1525, Frankfurt am Main, 2024.
Ursula Koch: Verspottet, geächtet, geliebt. Die Frauen der Reformatoren, Neukirchen 2018.
Marion Kobelt-Groch: Aufsässige Töchter Gottes. Frauen im Bauernkrieg und in der Täufferbewegung, 1993.
Peter Seibert: Die Zerschlagung des Bauernkrieges 1525. Beginn einer deutschen Gewaltgeschichte, Bonn 2025.
Dokumentation über Frauen im Bauernkrieg in der ARD-Mediathek
