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Wer war eigentlich Gertrud Schäfer?

Gertrud Schäfer, Karl-Heinz Maeß

Eine der ersten Pfarrerinnen Thüringens steht für Menschlichkeit ein

Gerturd Schäfer, geboren 1897 in Stadtroda, wirkte als Theologin, Seelsorgerin und als eine der ersten Frauen im kirchlichen Dienst in Thüringen.

1917 begann sie ihr Studium in Deutsch, Geschichte und Theologie in Jena, später auch in Berlin. Sie engagierte sich auch politisch in der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit. In den Berliner Arbeitervierteln organisierte sie Bibelstunden und Frauenabende.
1920 kehrte sie nach Jena zurück und schrieb sich, entgegen aller Vorbehalte der Professoren, als Frau an der Theologischen Fakultät ein.
Nachdem sie ihr Staatsexamen in Theologie als einzige Frau in Jena ablegte, wurde sie Pfarrhelferin und arbeitete in der Klinikseelsorge sowie der Frauen- und Jugendarbeit. Außerdem besuchte sie regelmäßig weibliche Strafgefangene und begleitete deren Resozialisierung.
1928 erfolgt die Ordination – aber erst 1965, nach dem neuen Pastorinnengesetz, durfte sie sich offiziell Pastorin nennen.

Während der NS-Staat in den 1930er Jahren versuchte, Kirche und Gesellschaft gleichzuschalten, lehnte Gertrud Schäfer die nazionalsozialistische Ideologie ab und verweigerte als einzige Pfarrkraft in Jena den Treueeid auf Hitler. Es folgen Überwachungen, Durchsuchungen, Diffamierungen und der Entzug ihrer Arbeitsbereiche.
Daraufhin schloß sich Schäfer der Bekennenden Kirche an und zog nach Erfurt. Dort engagierte sie sich beim Wiederaufbau der Frauenhilfe und Seelsorge und versorgte sechs Dörfer als Vikarin. Auch in Erfurt kümmerte sie sich um jüdische Gemeindeglieder und riskierte dabei ihr Leben. 

Nach dem Krieg kehrte sie nach Jena zurück.
Dort engagierte sie sich wieder in der Frauenarbeit, betreute Strafgefangene und half beim Neuaufbau der evangelischen Mädchenarbeit.
Am Inselplatz in Jena entstand mit ihrer Hilfe eine Ausbildungsstätte für evangelische Fachkräfte - ein wichtiger Ort für die theologische Bildung von Frauen. Weit über das Rentenalter hinaus blieb sie aktiv.
Als einer der ersten evangelischen Pastorinnen Thüringens setzte sich Gertrud Schäfer unermüdlich für Frauen, soziale Gerechtigkeit und Glaubensfreiheit ein.

Zum Weiterlesen:
Dagmar Maeß: Pastorin Gertrud Schäfer 1897–1987. Vom Beten und Tun des Gerechten unter den Menschen (Dietrich Bonhoeffer). In: Gisela Horn (Hrsg.): Entwurf und Wirklichkeit. Frauen in Jena 1900 bis 1933. Hain, Rudolstadt.

Sabine Ries: Schäfer, Gertrud. Ev. Theologin, Pfarrhelferin, Pfarrerin. In: Rüdiger Stutz, Matias Mieth (Hrsg.): Jena. Lexikon zur Stadtgeschichte. Tümmel Verlag, Berching 2018.

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