Landesfrauenrat fordert: Gewaltschutz als politische Priorität
Stellungnahme des Landesfrauenrat zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen 2025
Anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen betonen wir als Landesfrauenrat Thüringen erneut: Gewalt gegen Frauen ist kein Randphänomen, sondern ein ernstes gesellschaftliches Problem, das weiterhin zunimmt.
Für das Jahr 2024 wurde deutschlandweit laut dem Bundeslagebericht zu geschlechtsspezifischer Gewalt im Vergleich zu 2020 ein Anstieg Häuslicher Gewalt um rund 12,8% registriert. Die Digitale Gewalt hat sich im 5-Jahresvergleich mehr als verdoppelt. Dies macht deutlich: obwohl die Sensibilisierung für das Thema in statistischer Erfassung und medialem Diskurs steigt, sind Frauen weiterhin unzureichend geschützt.
Vor diesem Hintergrund fordert der Landesfrauenrat Thüringen das Thüringer Sozialministerium nachdrücklich dazu auf, die zügige und vollständige Umsetzung des Chancengleichheitsfördergesetzes sicherzustellen. Das lange erwartete Gesetz adressiert zentrale strukturelle Defizite im Gewaltschutz: Es verpflichtet u.a. zur Bereitstellung von Frauenhausplätzen in allen Landkreisen und stellt den Rahmen für den barrierefreien Ausbau und die Stärkung des Personalschlüsseln in den Schutzeinrichtungen. Zudem sieht es ambulante und mobile Beratungsangebote vor, die insbesondere im ländlichen Raum dringend benötigt werden.
Wie Julia Hohmann, Vorsitzende des Landesfrauenrats Thüringen, erläutert: „Obwohl das Gesetz seit dem 1. Januar 2025 gilt, fehlen noch immer konkrete Ziele und Strategien, um eine Umsetzung zu gewährleisten. “
Darüber hinaus fordert der Landesfrauenrat die Ausweitung des Zugangs zur vertraulichen Spurensicherung nach Fällen sexualisierter Gewalt. Die Notwendigkeit zeigt sich im Bundeslagebericht zu geschlechtsspezifischer Gewalt: diese verzeichnet für 2024 in Deutschland einen Anstieg der Gesamtzahl sexualisierter Straftaten um 7,1 Prozent. Das Verfahren ermöglicht es Betroffenen, medizinisch-forensische Beweise anonym und ohne sofortige Anzeige zu sichern.
Derzeit ist diese Leistung ausschließlich am Universitätsklinikum Jena verfügbar, für große Teile Thüringens eine erhebliche geografische Hürde.
Wie Friederike Theile, Geschäftsführerin des Landesfrauenrats Thüringen, hervorhebt: „Thüringen braucht dringend mindestens ein Zentrum in jeder Planungsregion, begleitet von einer umfassenden Informationskampagne, damit Frauen dieses Angebot kennen und nutzen können.“
Zum 25. November unterstreicht der Landesfrauenrat Thüringen zudem, dass Gewaltschutz eine zentrale politische Priorität sein muss. Wir appellieren an die Thüringer Landesregierung und den Landtag, jetzt zu handeln, die eingegangenen Verpflichtungen einzulösen und jene Strukturen zu stärken, die Sicherheit und Chancengleichheit für alle Frauen gewährleisten.
Zum Weiterlesen:
www.tmasgff.de/medienservice/artikel/vertrauliche-spurensicherung