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Ohne Frauen ist kein Staat zu machen

Besuch von Minister Wolfgang Tiefensee in der Geschäftsstelle des Landesfrauenrates Thüringen e.V.

Der Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee war am 17. Juni 2015 zu Gast in der Geschäftsstelle des Landesfrauenrates Thüringen e.V. Der Vorstand informierte den Minister über die Arbeitsweise und Themen und über die laufenden Projekte #gendertrouble (ein Netzwerkprojekt zur Antidiskriminierungsarbeit) und Mehrwert=mehr Wert (ein Arbeitsmarktprojekt für Frauen mit akademischen Hintergrund).

Minister Tiefensee zeigte großes Interesse an der Zusammenarbeit mit dem Landesfrauenrat, insbesondere an den Themen Unternehmensnachfolge durch Frauen und den komplexen Fakten zum Thema Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern. Herr Tiefensee sicherte dem Landesfrauenrat eine konstruktive und intensive Zusammenarbeit zu. „Wir sind gerne bereit, unser Know-How aus 21-jähriger Lobbyarbeit in Thüringen und unsere Genderkompetenz einzubringen, wenn es den Frauen mehr Ansehen und Chancen in der Wirtschaft bringt und wir gemeinsam Zukunft gestalten!“, so die Vorsitzende des Landesfrauenrates Thüringen e.V., Ilona Helena Eisner.

Der Landesfrauenrat bedankt sich für das erwiesene Interesse des Ministers mit seinem Besuch in den Geschäftsräumen und freut sich auf eine enge und interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft.

V.i.S.d.P. und für Rückfragen: Ilona Helena Eisner: 0176/19662307
Facebook: https://www.facebook.com/landesfrauenrat.thuringen

 
Presseerklärung des Landesfrauenrat Thüringen e.V. anlässlich der Vorstellung des Projektes #gendertrouble zur Pressekonferenz am 7. Mai 2015 in Erfurt

Am morgigen 8. Mai wird bundesweit an den "Tag der Befreiung"  vor 70 Jahren erinnert. Wir nehmen dies zum Anlass, um ein Zeichen zu setzen gegen eine traurige Tradition. Jahrzehnte nach dem Ende der Nazi-Diktatur sehen wir uns neuen Bedrohungen konfrontiert, die doch die alten geblieben sind. Noch immer werden Menschen wegen ihrer ethnischen Herkunft, einer Behinderung, ihrer sexuellen Identität oder ihrer Religion verfolgt. Offene Diskriminierung ist in breiten Gesellschaftsschichten wieder salonfähig geworden. Sie beginnt bei Mobbing in sozialen Netzwerken, wird sichtbar in Kommentaren und führt über Diskriminierung am Arbeitsplatz bis hin zu körperlichen Übergriffen.

Mit dem Projekt #gendertrouble will der Thüringer Landesfrauenrat als Dachorganisation aktiv gegen jegliche Formen von Diskriminierung vorgehen. Dafür sollen verschiedene Kanäle geöffnet werden über die Opfer und Täter alltäglicher Diskriminierung angesprochen werden können.  Möglich wird uns die Realisation dieser Arbeit aus Projektmitteln der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Deren Jahresmotto "Gleiches Recht. Jedes Geschlecht." hat uns inspiriert und daran erinnert, dass das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) bald zehn Jahre rechtswirksam in Kraft ist.

Zentrales Element des Projektes ist der Aufbau einer Website. Dort sollen - angelehnt an die Diskriminierungsmerkmale des AGG - Informationen veröffentlicht werden, die nicht nur die "Opfer", sondern vielmehr die „Täter_innen" alltäglicher Diskriminierung für das Thema sensibilisieren. Expert_innen aus den einzelnen Fachverbänden werden dazu exemplarische Fälle von Diskriminierung vorstellen, bewerten und Lösungsansätze aufzeigen.

Wir freuen uns besonders, dass Heike Werner, Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat. Damit setzt die Landesregierung zwei Jahre nach Unterzeichnung der Absichtserklärung der "Koalition gegen Diskriminierung" erneut ein sichtbares Zeichen und zeigt den Menschen in Thüringen, dass eine diskriminierungsfreie Gesellschaft nur mit gemeinsamen Anstrengungen erreicht werden kann.

V.i.S.d.P. und für Rückfragen: Ilona Helena Eisner: 0176/19662307

Hier der Aufruf zum Mitmachen

 
Der Unterschied zwischen Preis und Wert

Zur Auftaktveranstaltung des Modellprojektes „Mehrwert = mehr Wert“ des Landesfrauenrates Thüringen e.V.

Alles hat seinen Preis. Ganz gleich wo wir hinsehen – alles kostet etwas. Dieser Preis richtet sich marktwirtschaftlich nach Angebot und Nachfrage. Aber entspricht der Preis einer Sache immer auch seinem tatsächlichen Wert? Wie wertvoll ist eine Arbeitnehmerin?

Diese und andere Überlegungen waren der Ausgangspunkt für die Entstehung des Modellprojektes „Mehrwert = mehr Wert“, das am 26.01.2015 im Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft seinen Auftakt feierte. Mindestens 15 Teilnehmerinnen mit akademischem Hintergrund, die sich im Leistungsbezug befinden, sollen mit einem attraktiven Arbeitsplatz wieder ein Mehr-Wert-Gefühl erhalten und gleichzeitig einen Mehrwert für Unternehmen der Wirtschaft schaffen. Die Innovation dieses Projektes besteht in der Kooperation zwischen den Teilnehmerinnen, Unternehmen der Wirtschaft und Thüringer Forschungseinrichtungen.

„Durch die zusätzliche Zusammenarbeit mit Thüringer Forschungseinrichtungen soll es den Teilnehmerinnen möglich werden, an einer innovativen Idee zu arbeiten, die dem Unternehmen einen Mehrwert schafft und so in einen anspruchsvollen Arbeitsplatz münden kann“, so die Vorsitzende des Landesfrauenrates Thüringen e.V., Ilona Helena Eisner.

An der Auftaktveranstaltung nahmen am Montag auch Vertreter kleiner und mittelständischer Unternehmen Thüringens, unter anderem Symbioun e.V., Kontakt in Krisen e.V. und agenos.GmbH teil, sowie Mitarbeiterinnen der GFAW-Thüringen und Mitarbeiter aus dem Wirtschaftsministerium. Gefördert wird das Projekt durch den Freistaat Thüringen, Trägerin ist der Landesfrauenrat Thüringen e.V.

V.i.S.d.P. und für Rückfragen: Ilona Helena Eisner: 0176/19662307

 
Thüringen ist offen, bunt und tolerant!

Wohin soll sich eine Gesellschaft bewegen, wenn sie Teile, die ihr Ganzes ausmachen, ausschließt? Der Landesfrauenrat Thüringen e.V. sieht sich jeden Tag mit dieser Frage konfrontiert. Ganz gleich, welcher Teil der Gesellschaft ausgeschlossen werden soll, ob Frauen, Ausländer, Homosexuelle, Behinderte oder eben auch Anhänger einer bestimmten Glaubensrichtung, es ist immer Diskriminierung. Alle Teile einer Gesellschaft werden als Gesamtes gebraucht, denn sie geben ihr ihre Farben und damit ihre Vielfalt und Einzigartigkeit.

Der Landesfrauenrat Thüringen e.V. ist für eine offene, bunte und tolerante Gesellschaft. Wir sprechen uns gegen Vereinigungen wie „SÜGIDA“ aus, die gezielt versuchen, rechtsradikales und menschenverachtendes Gedankengut als demokratisch und bürgernah darzustellen.

Auf der 36. Delegiertenversammlung des Landesfrauenrates Thüringen e. V. verabschiedeten die Mitglieder einstimmig ein Positionspapier zur "Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit". Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit umfasst alle Einstellungen, die Feindlichkeit gegenüber Gruppen anderer Menschen ausdrücken. Die Vorurteile gegenüber den unterschiedlichen Gruppen sind dabei eng miteinander verknüpft. Menschen mit Vorurteilen gegenüber einer Gruppe stimmen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auch Vorurteilen gegenüber anderen Gruppen zu. So zeigen z.B. einige Studien (z.B. Heitmeyer), dass Antisemitismus und Islamfeindlichkeit miteinander
zusammenhängen.

„Wir brauchen Toleranz und Verständnis. Das geht aber nur in einer vielfältigen und bunten Gesellschaft, in der wir aufeinander zugehen und auch offen für andere sind“, so die Vorsitzende des Landesfrauenrates Thüringen, Ilona Helena Eisner. „Menschen, die in Not bei uns anklopfen, sind nicht per se verdächtig!“

Wir haben es uns als Landesfrauenrat zur Aufgabe gemacht, uns gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und eine Ideologie der Ungleichwertigkeit von Menschen auszusprechen, denn die Qualität und die Humanität einer Gesellschaft, erkennt man an ihrem Umgang mit schwachen Gruppen.

Der Landesfrauenrat Thüringen e.V. wird am 12.01.2015 an der Protestveranstaltung gegen „SÜGIDA“ in Suhl teilnehmen, um ein Zeichen zu setzen für eine tolerante und offene Gesellschaft und für ein demokratisches und buntes Thüringen.


V.i.S.d.P. und für Rückfragen: Ilona Helena Eisner: 0176/19662307

             
 
Frauenquote ist keine Selbstverständlichkeit - Entwürdigende Fleischbeschau bei der TLM-Nachwahl

Interview mit Ilona Helena Eisner, Vorsitzende des Landesfrauenrates Thüringen e.V. zum Prozedere der Nachwahl von vier Frauen in die TLM Versammlung

Nach der Einführung des neuen Landesmediengesetzes im Sommer dieses Jahres, wurden am Dienstag vier Frauen in die Versammlung der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) nachgewählt.

Frage: Wer sitzt in der TLM Versammlung (Thüringer Landesmedienanstalt)? Warum war die Nachwahl notwendig?

Eisner: In der TLM-Versammlung sind 30 Mitglieder aus allen im Landtag vertretenen Fraktionen, verschiedenen Verbänden und Interessengruppe, einschließlich der Kirchen, vertreten. Nach dem alten Gesetz mussten nur fünf Frauen zur Versammlung gehören. Da hieß die Formulierung „im Benehmen mit den Frauenorganisationen“: Der Landesfrauenrat sucht in seinen Mitgliedsorganisationen nach geeigneten Frauen, die sich zur Wahl stellen und die Delegiertenversammlung des LFR wählt so viele Frauen, wie nachberufen werden müssten. Diese wurden dann ohne weiteres Prozedere in die TLM-Versammlung aufgenommen. Solange wir uns zurück erinnern können, kam es nur einmal vor, dass auf diese Art und Weise drei Frauen berufen wurden. Meistens aber war es nur eine.

Frage: Was hat sich mit dem neuen Gesetz geändert?

Eisner: Mit der Änderung des Gesetzes hat sich auch auf Grund der Bemühungen des LFR die Zahl der Frauen, die im Gremium vertreten sein müssen, verdoppelt. Der Wortlaut des „Im Benehmen mit den Frauenorganisationen“ hat sich nicht geändert, aber nun der Umgang damit. Vier Frauen fehlten in der Versammlung, um gesetzeskonform zu sein. Sie fehlten, weil die meisten Verbände aus dem alten Selbstverständnis heraus immer nur männliche Vertreter entsandt haben. Verstehen Frauen nix von Medien? In Gesprächen mit Landtagsabgeordneten wurde deutlich, dass die Auswirkungen dieser Formulierung nicht vordergründig waren. Und das sich der Paragraph 42 des Landesmediengesetzes in sich selbst widerspricht, ist wohl nicht aufgefallen. Die Frage: „was will man wirklich“ oder „was heißt im Benehmen mit den Frauenorganisationen“ muss auf jeden Fall noch geklärt werden.

Frage: Wie ist die TLM mit dem Vorschlagsrecht der Nachnominierung umgegangen?

Eisner: Alle entsendenden Stellen konnten plötzlich noch eine Frau benennen. Für mich stellt sich die Frage, warum nicht gleich, wo sie ja offensichtlich doch da sind? Denn plötzlich stellten 17 von 28 entsendenden Stellen eine Frau als zusätzliche Kandidatin auf.

Frage: Sie kritisieren die Zusammensetzung des Gremiums, weil es zu männerlastig ist?

Eisner: Es ist doch verwunderlich, dass alle Organisationen, die erst kürzlich und nach Inkrafttreten des Gesetzes Mitglieder entsenden konnten, darunter der Gemeinde- und Städtebund, die Migrantenverbände, Bündnis 90/Die Grünen und die AfD, ausschließlich Männer  in die Versammlung entsandt haben. Bis auf eine, Bündnis 90/Die Grünen. Durch die Entsendung von männlichen Vertretern, trotz Kenntnis des Gesetzes, wird die Versammlung künstlich aufgebläht, weil manche einfach ihre Quotenfrau nachnominiert haben, anstatt im Vorfeld darüber nachzudenken, wen sie entsenden. Verwunderlich war auch, dass eine Partei, die in einer ihrer ersten Amtshandlungen im neu gewählten Landtag die Abschaffung des Gleichstellungsausschusses forderte, plötzlich einen Platz auf dem Gleichstellungsticket beanspruchen wollte.

Frage: Das Prozedere der Nachwahl ist sehr umstritten und wird von Ihnen, Frau Eisner, auch im Nachgang heftig kritisiert. Warum?

Eisner: Das gewählte und praktizierte Wahlverfahren glich einer entwürdigenden Fleischbeschauung. Die zur Wahl stehenden 15 Frauen mussten sich in einer Vorstellungstortour den Versammlungsmitgliedern präsentieren. Sie wurden einzeln vorgeführt und warteten zwischendrin gemeinsam in einem anderen Raum. Das war eine Zumutung sowohl für die Kandidatinnen, als auch für die Versammlung. Die Auslegung des Gesetzes ließ angeblich keine Vorauswahl zu, keine Absprache mit dem Landesfrauenrat. „Im Benehmen“ hieß jetzt noch, dass ich mich im Vorfeld zur Liste der Kandidatinnen äußern konnte.

Frage: Welche Bedenken hatten Sie dabei?

Eisner: Trotz all der oben genannten Informationen gab es keine wirklichen Kriterien für eine Wahl. Wonach wollten die Wahlberechtigten entscheiden? Die eigene Organisation vertreten zu sehen? Die gegebene Fachlichkeit? Die Abbildung der Bevölkerung Thüringens? Der nötigen Staatsferne von Mitgliedern in solchen Gremien? Der Lohn für eine erste männliche oder weibliche Benennung? Oder, ob die Kandidatin hübsch genug war, oder schön angezogen? Ich habe dies zu bedenken begeben und rigoros alle Kandidatinnen gestrichen, die durch dieses Raster fielen. Vier blieben übrig, von denen sogar zwei die Mitgliedschaft antreten konnten. Bitter ist, die unglückliche und entwürdigende Prozedur mit der Konformität des Gesetzes zu begründen. Das kann so nicht gewollt sein.

Frage: Was ist Ihr Fazit nach dieser unglücklichen Nachwahl?

 Eisner: Dass ein Signal für die künftige Gremienbesetzung in Thüringen ausgeht ist ein Schritt in die richtige Richtung, denn es gibt noch mehr Gremien in den Frauen nicht gesetzeskonform mit dem Thüringer Gleichstellungsgesetz berücksichtigt werden. Der LFR wird aber die neue Landesregierung auffordern, das Landesmediengesetz an dieser Stelle nachzubessern. Die neue Regierung hat es doch vorgemacht- mit einer ausgewogenen Ministerriege. Das muss auch für Gremien wie die TLM Normalität werden. Dafür werde ich mich weiterhin mit aller Kraft einsetzen.


Danke für das Gespräch (Die Fragen stellte:
Katharina Seidel, Presseverantwortliche des Landesfrauenrates Thüringen e.V.)

Nachgewählt wurden übrigens: eine Vertreterin der Familienverbände, des Landessportbundes, des Bauernverbandes und der CDU Fraktion.

V.i.S.d.P. und für Rückfragen: Ilona Helena Eisner: 0176/19662307

 
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